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Artensteckbrief

Artensteckbrief Wildkatze

Systemtische Stellung
Ordnung: Raubtiere
Unterordnung: Landraubtiere
Familie: Katzen


Verbreitung in Europa:
Gesicherte Wildkatzenvorkommen gibt es in Nordeuropa nur in Schottland. In Mitteleuropa ist die Wildkatze in den Mittelgebirgen von Ostfrankreich, über Deutschland bis nach Tschechien lückenhaft verbreitet. Große, zusammenhängende Vorkommen leben auf der Iberischen Halbinsel, in Italien, sowie in den Karpaten und auf der Balkanhalbinsel.


Verbreitung in Deutschland:
In Deutschland gibt es zwei Verbreitungsschwerpunkte der Wildkatze. Einmal sind dies die Populationen in Eifel, Hunsrück, Pfälzer Wald und Taunus, die Kontakt zu den Wildkatzen in den Vogesen und Ardennen haben, sowie das große Vorkommen der Wildkatze im Nordöstlichen Hessen (Meißner, Kaufunger Wald, Werrabergland, Reinhardswald), das wiederum nach Südniedersachsen (Solling, Harz) und nach Westthüringen (Eichsfeld) übergreift.


Lebensraum:
Die Wildkatzen sind Waldtiere, die stark strukturierte Laub- und Mischwälder bevorzugen. Besonnte Waldränder, Waldwiesen, Südhänge mit grasigen Blößen sind beliebte Aufenthaltsorte der Wildkatzen. Umgestürzte Bäume, besonders aber alte, an Naturhöhlen reiche Bäume, aber auch felszerklüftete Waldpartien, Brombeerverhaue auf Windwürfen und Reisighaufen sind wertvolle Lebensraumrequisiten. Wildkatzen sind vor allem dämmerungs- und nachtaktiv, können aber manchmal auch am Spätnachmittag bei einem Sonnenbad auf einem ruhigen Waldweg angetroffenen werden.

Ernährung:
Kleinsäuger (vor allem Mäuse; seltener Ratten, Eichhörnchen, Junghasen usw.) bestimmen zu 90% den Speisezettel der Wildkatzen. Selten nehmen sie auch Aas an (besonders in der winterlichen Notzeit). Vögel, Fische, Reptilien und Insekten werden gelegentlich erbeutet.

Jahreszyklus:
Die lautstarke Ranz (Paarungszeit) fällt in die Monate Januar bis April. Die einzelgängerisch lebenden Kuder (Männchen) rufen dann nach den Katzen (Weibchen). Nach einer Tragzeit von etwa 66 Tagen kommen 2-4 blind, aber mit Fell geborene Jungkatzen zur Welt, die nach 10 bis 12 Tagen die Augen öffnen und drei Monate lang gesäugt werden. Ab Oktober lösen sich dann die Familien auf.

Sinne:
Wildkatzen können sehr gut sehen (etwa 6-7-mal besser als ein Mensch), sie hören
sehr gut, aber können nur mäßig gut riechen.

Feinde:
Natürliche Feinde sind Wolf, Luchs und Bär. Wildernde Hunde sind sehr gefährlich
für Wildkatzen. Die größte Gefahr geht vom Menschen aus, wobei die meisten
Wildkatzen auf Straßen überfahren werden. Der Einsatz von forstlichen
Großmaschinen zur Setz- und Aufzuchtzeit kann den Katzen gefährlich werden.
Infektionskrankheiten, die die Wildkatzen bedrohen, sind: Tollwut, Staupe,
Katzenseuche und Parasiten. In schneereichen Wintern können junge und
schwache Wildkatzen verhungern.

Unterscheidung von der Hauskatze:
Wildkatzen und Hauskatzen sind nicht direkt verwandt! Unsere Hauskatzen stammen
nicht von den einheimischen Wildkatzen ab, sondern sind Nachkommen der
nordafrikanischen Falbkatzen. Hauskatzen und Wildkatzen können sich aber
fruchtbar kreuzen. Die Nachkommen aus solchen Verbindungen heißen in der
Jägersprache Blendlinge, da sie in ihrem Aussehen an Wildkatzen erinnern. In
Deutschland kommen Kreuzungen zwischen Wild- und Hauskatzen derzeit nur sehr
selten vor.
Wildkatzen haben einen wuchtigen (dicken) Kopf und eine breite Schnauzenregion.
Der Nasenspiegel ist hell (fleischfarben), bei der Hauskatze eher dunkler. Die Ohren
der Wildkatze (Gehöre) wirken oft kürzer, da der Kopf länger behaart ist. Die
Fellfarbe ist im Sommer gelb grau bis ockerfarben im Winter blass grau, das
Fellmuster wirkt häufig verwischt, die Beine (Läufe) sind kräftig. Der Schwanz (Rute)
der Wildkatze ist stumpfendig und buschig, umfasst etwa 50% der Körperlänge und
hat deutliche, dunkel abgesetzte Ringe in der hinteren Hälfte vor dem schwarzen
Rutenende. Eine genaue, wissenschaftliche Unterscheidung von Wildkatzen und
wildkatzenfarbenen Hauskatzen ist nur durch eine Vermessung des Körpers, des
Skeletts (Schädel) und der inneren Orange (Darmlänge) möglich. Seit kurzem gibt es
ein genetisches Verfahren (DNA – Analyse), um lebende Katzen sicher einzuordnen.
Rechtlicher Status (Schutz):

Seit den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts unterliegen die Wildkatzen
dem Jagdgesetz, das für die Wildkatze schon immer eine ganzjährige Schonzeit
festgeschrieben hat (Vollschonung). Durch das Bundesnaturschutzgesetz ist die
Wildkatze als eine Art des Washingtoner Artenschutzabkommens zusätzlich
besonders geschützt.


Dr. Jörg Brauneis
Jagdverein Hubertus Kreis Eschwege e.V.