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Wildkatzenprojekt 2012

Wildkatzenprojekt des Jagdvereins Hubertus Eschwege e.V. erfolgreich

Seit mehreren Jahren setzt sich der Jagdverein Hubertus Kreis Eschwege e.V. für den Schutz der im Werra-Meißner-Kreis im hessen- und bundesweiten Vergleich noch relativ häufigen Wildkatzen ein.
Dieses Engagement entspringt der Verpflichtung, die Schutz- und Hegebemühungen auch und besonders den jagdbaren, aber ganzjährig geschonten Wildarten zukommen zu lassen, deren Bestand bedroht ist. Nur so werden die Jäger der Ihnen vom Gesetzgeber im Jagdgesetz übertragenen Aufgabe gerecht.
Das Wildkatzenschutzprogramm des Jagdvereins Hubertus Kreis Eschwege trägt nunmehr deutliche Früchte. So sind die Jagdleiter der herbstlichen Gesellschaftsjagden auf Schalenwild aufgefordert, besonders die Gastjäger darauf hinzuweisen, dass Wildkatzen im Revier vorkommen und dass selbstverständlich der Abschuss aller Katzen untersagt ist. In Wildkatzenrevieren sollte die Fallenjagd ausschließlich mit Lebendfangfallen durchgeführt werden, um fatale Fehlfänge zu vermeiden. Darüber hinaus fördert der Jagdverein lebensraumverbessernde Maßnahmen für die Wildkatzen mit erheblichen, finanziellen Mitteln. Dies sind die Anlage und Pflege von Wildwiesen im Wald, die Schaffung von Ruhezonen und die Anpflanzung von Obstbäumen auf Waldwiesen und waldrandnahen Wiesen. Auf diese Weise sollen für die Wildkatzen ruhige, besonnte und an Kleinsäugern (Mäuse) reiche Lebensräume geschaffen und gestaltet werden. Außerdem sollen möglichst alle verunfallten Wildkatzen im Rahmen des von der Landesregierung geförderten, hessischen Wildkatzenprogramms einer wissenschaftlichen Untersuchung an der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Gießen zugeführt werden. Für Ausbildungszwecke hat der Jagdverein im Jahr 2009 eine bei Bischhausen überfahrene und nach wissenschaftlicher Untersuchung als solche anerkannte Wildkatze präparieren lassen und dem Bergwildpark in Germerode für Ausstellungs- und Lehrzwecke als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Diese Arbeit des Jagdvereins Hubertus Kreis Eschwege e.V. fand durch die Verleihung des Umweltschutzpreises des Werra-Meißner-Kreises im Jahr 2010 auch öffentliche Anerkennung.
Am Abend des 28. September 2012 konnte nun in einem besonders ruhigen und abgelegenen Teil des Schlierbachswaldes (zwischen Eschwege und dem Ringgau gelegen) auf einem Forstweg eine Wildkatze beobachtet werden, die vier kleine Junge führte! Die Kätzin zeigte sich durch das Geräusch des Fotoapparats beunruhigt und warnte die Jungen mit einem kurzen Laut, die daraufhin blitzartig verschwanden. Zwei flüchteten in einen Brombeerverhau, die beiden anderen aber schossen wie graue Pfeile an Bäumen herauf und verharrten in ca. zwei Metern Höhe, fest in die Borke gekrallt regungslos in einer Art Schutzstarre, dabei den Blick immer fest auf die Mutterkatze gerichtet. Nach einigen Minuten rief die Kätzin ihren Nachwuchs wieder zu sich und verschwand mit ihren Jungen im dichten Wald. Die das Wildkatzenrevier betreuenden Jäger hoffen nun, dass diese Herbstkatzen noch vor dem Winter groß werden und nicht den Sauen, demFuchs oder Habicht zum Opfer fallen.

Diese Wildkatzenbeobachtung ist auch deshalb etwas Besonders, weil sie beweist, dass Wildkatzen im Sommer eine zweite Ranzzeit haben und somit im Herbst noch Gehecke vorkommen können. Bis vor kurzem ist man bei der Wildkatze von einer einzigen Ranz im Februar / März ausgegangen und hat diese – fälschlicher Weise – sogar als Unterscheidungsmerkmal zur Hauskatze benannt! Für den Südharz in Sachsen – Anhalt haben Wissenschaftler aber schon mehrfach Wildkatzengehecke im September nachgewiesen.
Dies ist in diesem Jahr schon das dritte Wildkatzengeheck, das im Schlierbachswald beobachtet werden konnte. Weitere Schwerpunkte der Wildkatzenverbreitung im Werra-Meißner-Kreis sind der Meinhard, der Ringgau, das Sontraer Bergland und der Meißner.

Dr. Jörg Brauneis
Schriftführer
Rotenburger Str. 44
37269 Eschwege
Tel.: 05651 / 20363