Die Pirsch gilt als eine der anspruchsvollsten Jagdarten. Anders als beim Ansitz wartest Du nicht, bis das Wild zu Dir kommt, sondern bewegst Dich selbst langsam und aufmerksam durch das Revier. Das verlangt Geduld, gute Kenntnis des Geländes und eine Ausrüstung, die keinen Lärm macht. Wer die Grundlagen beherrscht, erlebt das Revier sehr intensiv und lernt dabei viel über das Verhalten des Wildes.
Der Wind entscheidet
Wild verlässt sich stark auf seine Nase. Bevor Du losgehst, prüfst Du deshalb die Windrichtung und planst Deinen Weg so, dass der Wind Dir entgegen oder zumindest von der Seite kommt. Ein Windprüfer mit feinem Puder oder ein dünner Faden am Gewehrriemen zeigt auch schwache Luftbewegungen an. Beachte, dass der Wind an Waldrändern, in Senken und an Hängen drehen kann. Thermische Strömungen ziehen morgens oft hangabwärts und am Nachmittag hangaufwärts. Wer das berücksichtigt, wird seltener verraten. Wie Wetter und Umgebung die Jagd beeinflussen, liest Du auch in unserem Beitrag zum Jagdwetter.
Langsam ist schnell genug
Der häufigste Fehler bei der Pirsch ist zu hohes Tempo. Mache wenige Schritte, bleibe stehen, beobachte und horche. Setze den Fuß zuerst mit dem Ballen oder der Außenkante auf und verlagere das Gewicht erst, wenn Du sicher bist, dass kein trockener Ast darunter liegt. Nutze Wege, Rückegassen und feuchte Stellen, auf denen Laub und Zweige weniger knacken. Bleib im Schatten und nahe an Deckung wie Büschen oder Baumstämmen, damit sich Deine Silhouette nicht gegen den Himmel abzeichnet. Bewegungen fallen dem Wild deutlich schneller auf als Farben.
Kleidung und Gepäck, die nicht rascheln
Für die Pirsch ist leise Kleidung wichtiger als jedes Tarnmuster. Fleece, Loden und gebürstete Stoffe sind deutlich ruhiger als harte Jacken oder glatte Kunstfasern. Achte auf Reißverschlüsse und Klettverschlüsse, die nicht klappern oder laut aufgehen. Bei den Schuhen ist ein Kompromiss gefragt: fest genug für unebenes Gelände, aber mit einer Sohle, die Dir ein Gefühl für den Boden gibt. Tipps zur Auswahl findest Du auf unserer Seite zur Jagdbekleidung.
Auch beim Gepäck gilt: Je weniger Du trägst, desto leiser bist Du unterwegs. Fernglas, Messer, Zielstock und das Nötigste für die Versorgung reichen meist aus. Das Fernglas sitzt am besten in einem Brustgurt, damit es nicht pendelt und Du es ohne große Bewegung an die Augen bringst. Alles, was klappert, wie lose Patronen oder Schlüssel, bekommt einen festen, gepolsterten Platz.
Ansprechen und Sicherheit
Gerade bei der Pirsch kommt es oft zu kurzen, überraschenden Begegnungen. Umso wichtiger ist es, ruhig zu bleiben, das Stück in Ruhe anzusprechen und nur zu schießen, wenn alles eindeutig ist und ein sicherer Kugelfang vorhanden ist. Ein Zielstock gibt Dir eine stabile Auflage, wenn keine natürliche Anlehnung in der Nähe ist. Lieber einmal mehr auf einen Schuss verzichten, als unsicher abzudrücken.
Fazit
Pirschen lernt man nicht an einem Tag. Mit jedem Gang durchs Revier entwickelst Du ein besseres Gefühl für Wind, Boden und das Verhalten des Wildes. Wer langsam geht, aufmerksam beobachtet und seine Ausrüstung auf das Wesentliche reduziert, wird mit intensiven Erlebnissen belohnt, auch an Tagen, an denen kein Schuss fällt.

